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Kirche unter Druck
Dieses Bild eines Kirchenbaus kann einem fast
Angst  machen.  Zeigt  es  nicht  symbolisch  die
Lage der katholischen Kirche?
Mittlerweile ist es um das Thema Missbrauch in
der Kirche wieder ruhiger geworden, so dass eine
ernsthafte  Beschäftigung  damit   leichter  wird.
Auch    in    unserer    Gemeinde    spüren    wir
schmerzlich die Auswirkungen dieser Affäre(n)
an     vermehrten     Kirchen-austritten.     Umso
wichtiger  ist eine Auseinandersetzung mit dem
Thema.
Ein Artikel, den Kardinal Lehmann am 1. April
diesen Jahres in der FAZ geschrieben hat, nennt
einige  Fixpunkte,  die  allgemeine  Anerkennung
finden    könnten.    Thesenhaft    gekürzt    und
zusammengefasst sind es folgende Punkte:
·
Als  Kirche  tun  wir  gut  daran,  nicht  auf
andere   zu   zeigen,   sondern   die   eigene
Verantwortung wahrzunehmen.
·
Die Kirche wird zu Recht streng gemessen an
den   Maßstäben,   die   sie   selber   vertritt,
besonders in der Sexualität
·
Wir müssen froh sein über die Entdeckungen: Sie zeigen einen Missstand der Kirche, aber
auch der Gesellschaft mit einer hohen Dunkelziffer
·
Im Lauf der letzten Jahrzehnte haben wir gelernt:
-
Das Machtgefälle vom (erwachsenen) Täter zu (kindlichen) Opfern stärker zu sehen.
-
Die Täter schweigen eisern bis zuletzt.
-
Die Opfer sind abgrundtief verschüchtert, schwer belastet, trauen sich oft lebenslang nicht,
zu reden.
-
Pädophilie ist nur schwer heilbar: Die Kirche hat die Fähigkeit der Täter zur Umkehr
überschätzt.
·
Die  Kirche  hat  sexuellen  Missbrauch  immer  verurteilt,  aber  die  Aufklärung  war  nicht
unbestechlich und lückenlos genug; mehr bestimmt von der Sorge für die Täter, und auch
bestimmt vom Interesse, das Bild von Kirche rein zu bewahren.
·
Das „geschlossene System“ der Kirche hat Kumpanei begünstigt.
·
Die Kirche hat auf die Entdeckungen reagiert, schon in den Jahren um die Jahrtausendwende,
heute ist eine Revision nötig und sinnvoll.
·
Die Kirche muss sich auch den Schwachstellen ihrer Geschichte stellen.
·
Bei Überlegungen zur Wiedergutmachung sollen die Täter nicht ihrer Verantwortung enthoben
werden.
·
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat besteht nicht, wohl aber
kann die zölibatäre Lebensform Pädophile anziehen.
·
Die Lehre des II. Vatikan. Konzils von der „Sündigkeit und Heiligkeit der Kirche“ wurde nicht
genügend gehört: beide Aspekte sind wichtig.
·
Verfehlungen in der Kirche sind nicht nur Sache des Einzelnen.
Der ganze Aufsatz ist nachzulesen auf der Webseite des Bistums Mainz.
Auch der Diözesanrat unseres Bistums hat sich mit der Materie beschäftigt. Nachfolgend einige
Sätze  der  Erklärung  des  Diözesanrats  vom  19.  Juni  und  aus  der  Rede  des  Sprechers  des
Diözesanrats, Johannes Warmbrunn. Er sagte in einem Statement vor dem versammelten Gremium
(u.a):
„Wir  alle  spüren unsere  tiefe  Erschütterung, die der Missbrauchsskandal  in  unserer
Kirche hervorgerufen hat. Aber wir können diese Geschehnisse, die uns jetzt alle einholen,
auch deuten als ein Zeichen, noch konsequenter als bisher an Erneuerung und Umkehr zu
arbeiten. Mag es sich noch so sehr um ein Versagen Einzelner handeln, die dahinter
stehenden,  grundsätzlichen  Fragen  dürfen keinesfalls unterschätzt  werden.  Die  Täter
haben  den  besonderen  Schutzraum  der  Kirche,  der  durch  positive  Beziehungen,
Zuwendung, Vertrauen und Achtsamkeit geprägt sein sollte, zur Ausübung von Macht und
Gewalt missbraucht und dabei schwerste Schäden an Menschen und an der Kirche als
Gemeinschaft verursacht.“
Der Diözesanrat hat in seiner Stellungnahme u.a. erklärt:
„Diese  Krise  ist  offenkundig  geworden  im  Zusammenhang  mit  der  Aufdeckung von
Missbrauchsfällen. Entwickelt hat sie sich jedoch über längere Zeit.
Viele  Gläubige  sind  mit  den  Festlegungen  in  Fragen  wie  Ökumene,  Sexualität,
Frauenpriestertum oder Zölibat nicht einverstanden. Was Not tut, ist eine ehrliche und
mutige Auseinandersetzung unter den Gläubigen und mit der Leitung der Kirche.“
Durch die Ereignisse wird die Kirche auf einen Weg gedrängt, der ihr ureigener ist: auf den Weg
der Demut. Schritte auf diesem Weg zu tun, wäre die rechte Antwort auf die Problemlage.
Gern wollen wir über diese Dinge in´s  Gespräch kommen und laden dazu ein
am Donnerstag, 29. Juli, 19.30 Uhr
in´s Gemeindehaus Bad Herrenalb, Doblerstr. 41